Da ich momentan zwar sehr viel lese, aber mehrere Bücher parallel lese kann es noch etwas dauern bis wieder eine Rezension kommt, aber ich denke gegen Ende nächster Woche werde ich dann wieder etwas posten.
In der Zwischenzeit schiebe ich mal einen eigenen Text, genauer gesagt eine Kurzgeschichte, dazwischen und hoffe sie gefällt euch. Wie immer freue ich mich über Kommentare mit Kritik und Anregungen, diesmal auch gerne Interpretationen und eure Meinung zu meinem Text.
Tagebuch der Hoffnungslosigkeit
1. Tag.
Wer kennt denn heute noch den Unterschied zwischen einem verregneten Tag und strahlender Sonne? Ich kenne ihn. Regen spendet Leben, Sonne trocknet aus und nimmt es.
Aber der Regen ist für die Meisten weniger schön anzusehen. Darum kann ihn niemand ausstehen. Irgendwie verdreht, nicht wahr?
Es regnet grade. Wobei “Regen” übertrieben ist. Der Himmel ist einigermaßen klar, es nieselt nur.
So steh’ ich hier zwischen den Dünen und erwarte den Sonnenuntergang. Wenn ich nicht wüsste, dass dies der Letzte ist, wäre es so kitschig, wie es klingt.
Aber vielleicht ist es besser so. Regen schenkt Leben, Sonne nimmt es.
Vielleicht versuche ich mit dieser billigen Erklärung auch nur, damit klar zu kommen. Das wäre lächerlich.
Traurig ist es aber schon, irgendwie.
Sie haben die Sonne gestohlen…
7. Tag.
Es ist dunkel. Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit, seit die Sonne fort ist. Untergegangen, im Meer versunken. Doch das ist im Grunde nur die halbe Wahrheit. Sie ist nicht einfach untergegangen, sie wurde heruntergezogen. Sie, die weit unten leben, haben sie zu sich geholt. Weil Sie die Wärme nicht kennen.
Doch dort unten können Sie es sowieso nicht. Sie nahmen die Sonne nur, damit niemand sie spüren kann, da Sie es in keinem Fall können.
Es ist feige und durchtrieben. Aber so ist es nun mal, wie bei dem Skorpion und dem Frosch.
Es ist jetzt also schon sieben Tage her, dass Sie mir die Sonne nahmen. Mir, nicht uns. Denn scheint es nicht so, als wäre ich der Einzige, der diesen Verlust bemerkt? Wenn nicht, bin ich zumindest der Einzige, der ihn bedauert, so, wie ich auch als Einziger, dort am Meer, ihren letzten Untergang würdigte.
Nun sitze ich hier am Fenster, während der irdische Vogel singt, und sehe noch aus dem Augenwinkel, wie die ersten Sterne hinab in die See stürzen.
Es verläuft alles wie erwartet, aber nichts wie erhofft…
13. Tag.
Der 13. Tag ist bereits schon einige Stunden alt.
Die Häuserwände, die Straßen, selbst die entlegensten Gassen. Jede Ecke dieser Stadt versprüht den gleichen Gestank. Es stinkt nach Angst, Unsicherheit und Zweifel. Nach all den negativen Gefühlen, welche man immer im Inneren zu behalten versucht.
Aber es ist doch immer so; bei Nacht, wenn es dunkelt, denkt man anders. Dann ist es unglaublich schwer, vernünftig seine Gedanken zu ordnen.
Es ist doch fast so, als wäre die Morgendämmerung wie eine erfrischende Dusche, welche diesen Schmutz von Einem wäscht. Es ist natürlich nicht die Endlösung – denn die gibt es nicht.
Trotzdem hilft es einem ungemein, alles zu überstehen.
Wenn ich nun in den Himmel blicke, erkenne ich, dass die Bewohner der Tiefe nun auch noch alle Sterne nahmen… Fast alle.
Denn noch immer sehe ich, wie Polaris auf mich herabblickt.
Und ich weiß, dass er nicht versinken wird. Dass er nicht versinken kann.
Denn eines weiß ich nun: Womit man auch immer konfrontiert werden mag, es gibt immer eine Konstante, die weiterhin besteht. Auch wenn Deren Schein zu schwach ist, zu waschen. So wie es der Sonnenstrahl kann . Man kann man sich aber an ihnen festhalten.
Und das ist gut so…
24. Tag.
Ich bin gerade eben erst aufgewacht.
Es gibt aber keinen Tag mehr. Nur noch jetzt und gleich.
Ich weiß, dass ich es jetzt noch unterdrücken kann. Den Drang, hinunter zu steigen, zu dem, was mir genommen wurde. Doch gleich schaffe ich es vielleicht schon nicht mehr.
Denn Nichts ist für die Ewigkeit geschaffen. Auch Polaris, die letzte Bastion am Himmelszelt, wurde mir genommen. Und nun höre ich Sie auch nach mir rufen.
Ich weiß, ich bin der Einzige, der Ihren Ruf vernimmt. Und auch der Einzige, der es mit ansehen muss, wie alles Licht, jegliche Wärme, genommen wird.
Ich erkenne es klar und deutlich; Die anderen Menschen tragen noch immer die Sonne in ihrem Blick und Innersten.
Und nun, ohne es selbst bemerkt zu haben, trugen mich meine Füße doch noch ans Ufer.
Ihr Rufen ertönt lauter. Nass und kalt: Die Stimmen vom Meeresgrund.
Ich sinke… Als wäre ich mit Blei beschwert.
Es geht immer tiefer. Die Sonne scheint vom Meeresgrund zu mir hinauf, während ich zu ihr sinke.
Nicht einmal die letzte Qualle steht mir bei.
Sie, die mir das wichtigste nahmen, sind um mich herum. Doch Sie verbergen sich noch.
In meinen Lungen wird die Luft immer knapper.
Ich schließe nun meine Augen. Bestohlen und unfähig es zurück zu nehmen.
Um sie nie wieder zu öffnen…