Das letzte Buch

July 5th, 2012

Daten zum Buch:

Titel: Das letzte Buch
Autor: Zoran Zivkovic
Seitenzahl: 224
Erscheinungsjahr: 2008

Inhalt:

Lesen soll tödlich sein?
Bei der Lektüre des letzten Buches trifft diese Aussage jedenfalls zu!

Das letzte Buch vom serbischen Autor Zoran Zivkovic ist ein Postmoderner Kriminalroman der mit schwarzem Humor und einer neuartigen Schreibweise überzeugt.
In der Buchhandlung “Papyrus” kommt es plötzlich zu merkwürdigen Todesfällen die keine erkennbare medizinische Ursache haben und auch die erste Vermutung “Herzinfarkt” kann medizinisch nicht bestätigt werden. Als jedoch noch mehr Opfer gefunden werden, die in der Buchhandlung waren muss gehandelt werden.
Kommissar  Lukic, der selbst von Literatur begeistert ist, und die Buchhändlerin Gavrilovic versuchen die Spur des letzten Buches aufzunehmen und kommen dabei nicht nur der Wahrheit immer näher sondern auch einander, wobei ein kleiner Teeladen keine unbedeutende Rolle spielt.
Die Kunden des “Papyrus”, die liebevoll Patienten genannt werden, sind oftmals lebende Kuriositäten mit eigenem Charm und auch wenn sie eher Nebenrollen sind, sind sie dennoch keine 08/15 Charaktere.  Doch ganz so harmlos scheinen einige von ihnen nicht zu sein, denn um das letzte Buch hat sich eine regelrechte Sekte gebildet die in der Ankunft des Buches das Anfang des Weltuntergangs sieht.
Doch warum nun das letzte Buch tödlich ist, bleibt in meiner Rezension ungesagt, denn eines ist sicher… das Ende ist völlig überraschend und nichts was zu erwarten war. Ein gelungenes Ende, das zwar kleinere Fragen offen lässt, was vermutlich vom Autor beabsichtigt wurde, aber das auch die Handlung abschließt.

Insgesamt also ist “das letzte Buch” ein kurzes und kurzweiliges Buch, dass nicht vorhersehbar oder gar abgekupfert ist. Generell ist das letzte Viertel des Buches für mich persönlich allerdings etwas zu kurz geraten und die Wendung und Auflösung des Rästels hätte sich gerne noch etwas verzögern können, vorallem in Relation zum restlichen Buch.
Einziges Manko für die nicht-serbischen Leser ist die Namesgebung der Charaktere da Zivkovic seiner Herkunft entsprechend serbisch ist. Aber man gewöhnt sich daran und ob man sie gedanklich richtig betont spielt beim Lesevergnügen ja zum Glück keine Rolle ;-)

Sturmwelten

May 30th, 2012

Daten zum Buch:

Titel: Sturmwelten
Autor: Christoph Hardebusch
Seitenzahl: 720
Erscheinungsjahr: 2008

Inhalt:

In Hardebusch´s neuester Fantasy Trilogie erlebt man eine völlig neue Welt, die so bunt und abwechslungsreich wie die Hauptcharaktere selbst ist.

Vor allem geht es um den “Freibeuter” Jaquento, der vor seiner Vergangenheit flieht und mehr oder weniger freiwillig auf der “Todsünde” landet. Einem Schiff das von Kapitän Deguay geleitet wird. Doch die gefühlte Freiheit wird schnell zu einem Wechselbad der Gefühle und auch unter den Piraten sind Intriegen an der Tagesordnung.

Der zweite Hauptcharakter, besser gesagt, Charakterin ist Roxane, eine der wenigen Frauen in der thaynrischen Marine, die auf dem Schiff “Mantikor” reist. Sie kämpft für Vaterland und Krone und dient mit bessem Wissen und Gewissen. Doch auch dieses schiff wird nicht verschon vom Schicksal und der paranoide Kapitän muss bekämpft werden.

Als schließlich auch noch das Schwarze schiff auftaucht, mit einer unbekannten aber umso mächtigeren Ladung an Bord gerät das Leben aller als den Fugen. Mehr als eine Partei ist daran Interessiert das Schwarze Schiff zu finden, dass unbemerkt von der Sturmwelt geschmuggelt werden sollte.

Im Laufe der Geschichte, die immer wieder zwischen den Charakteren springt und etliche Nebenhandlungen parallel enthält, verknüpfen sich diese immer mehr und die Figuren treffen nach und nach aufeinander. So müssen sich Jaquento und Roxane verbünden und machen gemeinsam Jagd auf das Schwarze Schiff.

 

Wie bereits erwähnt, ist Hardebusch´s Welt sehr vielseitig. Er entwirft verschiedene Sprachen, Sitten, Landschaften und lässt diese lebendig und abwechslungsreich erscheinen. Vom Dschungel in der Strumwelt bis zu den strengen Reglements in den Königshäusern findet sich eine Bandbreite an Erlebnissen. Auch die Figuren selbst reichen von einer unterdrückten Sklavin bis hin zu einer der mächtigsten Magierinnen im Lande. Diese Abwechslung ist zwar anfangs etwas verwirrend, doch man findet sich schnell zurecht und kann vollkommen in eine fremde Welt eintauchen.
Ebenso vielseitig sind die Emotionen die hervorgerufen werden. Es geht um Liebe, Sehnsüchte und Werte, aber auch Kämpfe, Wut und Verzweiflung und Angst werden so lebensnah geschildert dass einem jeder der Charaktere lebendig erscheint und man große Sympathien entwickelt.

Alles in allem kann ich dieses Buch bzw. die Trilogie jedem empfehlen, der gerne in fremde Welten eintaucht, die dennoch der unseren bei näherem Hinsehen gar nicht so unähnlich ist. Wer die Seeluft mit all ihren Tücken aber auch die herbe Romantik der Piraterie erleben möchte sollte nicht zögern selbst eine Reise in die Sturmwelt zu wagen!

Tagebuch der Hoffnungslosigkeit

May 8th, 2012

Da ich momentan zwar sehr viel lese, aber mehrere Bücher parallel lese kann es noch etwas dauern bis wieder eine Rezension kommt, aber ich denke gegen Ende nächster Woche werde ich dann wieder etwas posten.
In der Zwischenzeit schiebe ich mal einen eigenen Text, genauer gesagt eine Kurzgeschichte, dazwischen und hoffe sie gefällt euch. Wie immer freue ich mich über Kommentare mit Kritik und Anregungen, diesmal auch gerne Interpretationen und eure Meinung zu meinem Text.

 

Tagebuch der Hoffnungslosigkeit

 

1. Tag.
Wer kennt denn heute noch den Unterschied zwischen einem verregneten Tag und strahlender Sonne? Ich kenne ihn. Regen spendet Leben, Sonne trocknet aus und nimmt es.
Aber der Regen ist für die Meisten weniger schön anzusehen. Darum kann ihn niemand ausstehen. Irgendwie verdreht, nicht wahr?

Es regnet grade. Wobei “Regen” übertrieben ist. Der Himmel ist einigermaßen klar, es nieselt nur.
So steh’ ich hier zwischen den Dünen und erwarte den Sonnenuntergang. Wenn ich nicht wüsste, dass dies der Letzte ist, wäre es so kitschig, wie es klingt.
Aber vielleicht ist es besser so. Regen schenkt Leben, Sonne nimmt es.
Vielleicht versuche ich mit dieser billigen Erklärung auch nur, damit klar zu kommen. Das wäre lächerlich.
Traurig ist es aber schon, irgendwie.

 
Sie haben die Sonne gestohlen…

7. Tag.
Es ist dunkel. Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit, seit die Sonne fort ist. Untergegangen, im Meer versunken. Doch das ist im Grunde nur die halbe Wahrheit. Sie ist nicht einfach untergegangen, sie wurde heruntergezogen. Sie, die weit unten leben, haben sie zu sich geholt. Weil Sie die Wärme nicht kennen.
Doch dort unten können Sie es sowieso nicht. Sie nahmen die Sonne nur, damit niemand sie spüren kann, da Sie es in keinem Fall können.
Es ist feige und durchtrieben. Aber so ist es nun mal, wie bei dem Skorpion und dem Frosch.

Es ist jetzt also schon sieben Tage her, dass Sie mir die Sonne nahmen. Mir, nicht uns. Denn scheint es nicht so, als wäre ich der Einzige, der diesen Verlust bemerkt? Wenn nicht, bin ich zumindest der Einzige, der ihn bedauert, so, wie ich auch als Einziger, dort am Meer, ihren letzten Untergang würdigte.

Nun sitze ich hier am Fenster, während der irdische Vogel singt, und sehe noch aus dem Augenwinkel, wie die ersten Sterne hinab in die See stürzen.

 
Es verläuft alles wie erwartet, aber nichts wie erhofft…

13. Tag.

Der 13. Tag ist bereits schon einige Stunden alt.
Die Häuserwände, die Straßen, selbst die entlegensten Gassen. Jede Ecke dieser Stadt versprüht den gleichen Gestank. Es stinkt nach Angst, Unsicherheit und Zweifel. Nach all den negativen Gefühlen, welche man immer im Inneren zu behalten versucht.
Aber es ist doch immer so; bei Nacht, wenn es dunkelt, denkt man anders. Dann ist es unglaublich schwer, vernünftig seine Gedanken zu ordnen.
Es ist doch fast so, als wäre die Morgendämmerung wie eine erfrischende Dusche, welche diesen Schmutz von Einem wäscht. Es ist natürlich nicht die Endlösung – denn die gibt es nicht.
Trotzdem hilft es einem ungemein, alles zu überstehen.

Wenn ich nun in den Himmel blicke, erkenne ich, dass die Bewohner der Tiefe nun auch noch alle Sterne nahmen… Fast alle.
Denn noch immer sehe ich, wie Polaris auf mich herabblickt.
Und ich weiß, dass er nicht versinken wird. Dass er nicht versinken kann.
Denn eines weiß ich nun: Womit man auch immer konfrontiert werden mag, es gibt immer eine Konstante, die weiterhin besteht. Auch wenn Deren Schein zu schwach ist, zu waschen. So wie es der Sonnenstrahl kann . Man kann man sich aber an ihnen festhalten.

 

 

Und das ist gut so…

24. Tag.
Ich bin gerade eben erst aufgewacht.
Es gibt aber keinen Tag mehr. Nur noch jetzt und gleich.
Ich weiß, dass ich es jetzt noch unterdrücken kann. Den Drang, hinunter zu steigen, zu dem, was mir genommen wurde. Doch gleich schaffe ich es vielleicht schon nicht mehr.
Denn Nichts ist für die Ewigkeit geschaffen. Auch Polaris, die letzte Bastion am Himmelszelt, wurde mir genommen. Und nun höre ich Sie auch nach mir rufen.
Ich weiß, ich bin der Einzige, der Ihren Ruf vernimmt. Und auch der Einzige, der es mit ansehen muss, wie alles Licht, jegliche Wärme, genommen wird.
Ich erkenne es klar und deutlich; Die anderen Menschen tragen noch immer die Sonne in ihrem Blick und Innersten.
Und nun, ohne es selbst bemerkt zu haben, trugen mich meine Füße doch noch ans Ufer.
Ihr Rufen ertönt lauter. Nass und kalt: Die Stimmen vom Meeresgrund.

Ich sinke… Als wäre ich mit Blei beschwert.
Es geht immer tiefer. Die Sonne scheint vom Meeresgrund zu mir hinauf, während ich zu ihr sinke.
Nicht einmal die letzte Qualle steht mir bei.
Sie, die mir das wichtigste nahmen, sind um mich herum. Doch Sie verbergen sich noch.
In meinen Lungen wird die Luft immer knapper.
Ich schließe nun meine Augen. Bestohlen und unfähig es zurück zu nehmen.

 

Um sie nie wieder zu öffnen…

Plötzlich Shakespeare

April 12th, 2012

Daten zum Buch:

Titel: Plötzlich Shakespeare
Autor: David Safier
Seitenzahl: 310
Erscheinungsjahr: 2012 (2011)

Inhalt:

Rosa, eine unzufriedene Grundschullehrerin aus Wuppertal, sieht sich plötzlich vor der Herausforderung im alten England Shakespeares herauszufinden was die “Wahre Liebe” ist.

Eigentlich lebt Rosa ein absolut klischeehaftes Leben, Krönung des ganzen : Die Einladung zur Hochzeit ihres verflossenen Traummannes mit ihrer größten Konkurrentin aus bestem Hause. Angefeuert von einer Mischung aus Schokolade, Ramazotti und den zwar gut gemeinten aber eher mittelmäßigen Ratschlägen des besten (und natürlich, ganz Klischee, schwulen) Freundes stürmt Rosa die Zahnarzpraxis ihres Schwarms um ihm ihre Liebe zu gestehen und so die Hochzeit zu verhindern, Jan wieder zu gewinnen und glücklich zu werden.
Am Ende geht alles schief, Jan will weiterhin seine Verlobte heiraten und voller Trauer schleppt Rosas Freund Holgi sie in den Zirkus um sie abzulenken. Dort führt der Magier Prospero eine gefälschte Rückführung in ein früheres Leben durch und durch “Zufälle” landet Rosa nach der Vorstellung in seinem Wagen. Rosa glaubt nicht wirklich an frühere Leben oder gar daran, dass eine solche Rückführung klappt doch sie wird eines besseren belehrt.

Sie erwacht nicht nur zur Zeit Shakespeares sondern IN Shakespeare selbst als dieser sich gerade mit einem erzürnten Edelmann duelliert.
Über anfängliche Probleme hinweg, begreift Rosa langsam, dass sie Shakespeare ist und seine Stimme hören kann, doch er sie nur wenn sie laut spricht und auch die Kontrolle des Körpers hat alleine Rosa. So wird aus Kleinigkeiten eine witzige Problematik.
Doch auch die politischen Irrungen in die Shakespeare verwickelt ist machen vor Rosa logischerweise keinen Halt und so muss sie Lord Essex mit einer Gräfin zusammenbringen. Hierbei ist nicht nur die Politik ein Problem sondern aus Rosas Gefühle, denn Lord Essex ist eine frühere Version von Jan und ausgerechnet Olivia kommt der Gräfin gleich.
Gespickt mit Situationskomik,  amüsanten Sticheleien zwischen Rosa und Shakespeare wird dieses Unternehmen jedoch das witzigste Abenteuer im alten England und Rosa merkt, dass sie ihre Liebe zu “Jan”(Essex) überwinden kann und bringt ihn mit der Gräfin zusammen. Doch nun hat sie ein weiteres Problem… sie verliebte sich über die Zeit hinweg in Shakespeare also in sich selbst! Als ob Liebe nicht schon kompliziert genung wäre wenn sich zwei Menschen lieben, wie wird das dann erst wenn diese Menschen sich auch noch einen Körper teilen müssen?

Ob Rosa die Wahre Liebe findet und wie diese Aussieht möchte ich hier nicht verraten, wer es dennoch unbedingt wissen möchte, kann gerne das Buch lesen, das man durch einen Klick auf den farbig hervorgehobenen Titel kaufen kann.

Dieses Buch ist nicht nur für Menschen, die Shakespeare mögen sondern wird auch Vorurteile abbauen und jeden Begeistern der ein kurzweiliges, witziges und spannendes Buch sucht. Doch Vorsicht… man sollte seine Lachmuskeln gut im Griff haben um in der Öffentlichkeit zu lesen bei diesem Buch ;-)

Gregs Tagebuch 2: Gibt´s Probleme?

April 3rd, 2012

Daten zum Buch:

Titel: Gregs Tagebuch 2: Gibt´s Probleme?
Autor: Jeff Kinney
Seitenzahl: 244
Erscheinungsjahr: 2008

Inhalt:

Gregs Tagebuch ist das Tagebuch des ca 13 Jährigen Gregs und dessen Probleme im Alltag mit Schule, Familie und Freunden.
Was sich so recht langweilig liest sodass man sich fragt “Welche Erlebnisse kann Greg schon großartig haben?” ist im Buch witzig und einfallsreich geschrieben.

Ob nun die Metal-Band des großen Bruders Rodrick zuhause Party feiert und Greg im Keller eingesperrt ist oder der Schwimmkurs bei dem er sich erfolgreich im Klo versteckt um nicht schwimmen zu müssen… Ständig gerät man ins Schmunzeln und man kann kaum eine Seite lesen ohne wirklich lachen zu müssen. Auch ernsthaftere Dinge wie die ungerechte Behandlung von Geschwistern oder Streitereien unter Freunden werden mit einer guten Prise Sarkasmus und Schlagfertigkeit eingebracht.
Wie der Titel schon sagt, geht es hier um den 2. Band von Gregs Tagebüchern, da ich den ersten Band selbst nur als Hörspiel habe. Auch dieses ist sehr zu empfehlen, da die einzelnen Charaktere andere Leser haben und somit nicht einfach das Tagebuch runtergelesen wird. Aber auch ohne den ersten Band zu kennen kann man den 2. Band problemlos lesen.
Ebenfalls zu erwähnen ist, dass Gregs Tagebuch ein Comic-Roman ist, da immer wieder Gregs Zeichnungen im Buch sind, die Szenen auffassen und mindestens genau humorvoll sind wie die Einträge an sich.
Eigentlich ist Gregs Tagebuch ein Kinderbuch und Jugendbuch aber ich finde, dass es für jeden geeignet ist, egal ob jung oder alt, wobei es natürlich etwas witziger ist, wenn man selbst in diesem Alter ist oder Familienmitglieder/Freunde/Bekannte hat, die zwischen 12 und 15 Jahren sind. Auch zum Vorlesen ist das Tagebuch geeignet auch wenn der Witz der Bilder etwas verloren geht.

Nichts was im Leben wichtig ist

March 28th, 2012

Daten zum Buch:

Titel: Nichts was im Leben wichtig ist
Autor: Janne Teller
Seitenzahl: 140
Erscheinungsjahr: 2012 (2000)

Inhalt:

Am ersten Schultag nach dem Sommerferien schockiert der Schüler Pierre Anton seine Mitschüler indem er noch vor der ersten Stunde behauptet “Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun” und danach gleichgültig und ruhig die Schule verlässt.

Anfangs ist jeder bemüht, seine Worte zu ignorieren und einfach das bisherige Leben weiter zu leben. Doch da Pierre Anton sich im Pflaumenbaum seines Vorgartens einnistet müssen sich die Jugendlichen Tærings zweimal täglich seinen Worten stellen. Mit weitern Aussagen wie “Alles fängt nur an, um aufzuhören!” bewirft er seine ehemaligen Mitgenossen mit Worten aber auch mit den Pflaumen des Baumes. Doch seinen Mitschülern wird klar, dass sie Pierre Anton nicht dort sitzen lassen können und so beschließt die Klasse einen “Berg aus Bedeutung”  zu schaffen um Pierre Anton zu zeigen, dass es sehr wohl Dinge gab, die Menschen etwas bedeuteten.
Diesen Berg aus Bedeutung errichten sie in einem stillgelegten Sägewerk, unbemerkt von ihren Eltern schleichen sie sich dorthin und sammeln Gegenstände der Dorfbewohner, harmlose Dinge wie Erinnerungsstücke der alten Einwohner doch nach und nach zwingen sich die Schüler untereinander zu immer “bedeutungsvolleren” Dingen. Aus Schuhen werden Krücken und irgendwann werden Dinge gefordert, die zwar sehr bedeutsam sind, aber deren Bedeutung nicht auf einem solchen Berg deutlich wird. Haustiere, Leichen und irgendwann sogar Reliquien wie ein Gebetsteppich werden nach und nach dem Sammelsurium an Bedeutung hinzugefügt und aus dem anfänglichen Motiv, Pierre Anton zu helfen wird ein Kreislauf aus Angst, Gewalt und Ohnmacht. Jeder der sein Opfer brachte kann sich einen Mitschüler aussuchen der noch nichts beigetragen hat und von diesem oder dieser etwas fordern, dass gelöst werden muss. So schleicht sich die Eskalation ein, bis schließlich Raub, Vergewaltigung und sogar ein Mord von statten geht.
Durch den Verrat des ehemaligen Anführers Jan-Johan an die Polizei entbrennt eine Diskussion in den Medien, ob das nun Kunst oder schlichtweg Wahnsinn ist doch Pierre Anton wird selbst dadurch nicht beeindruckt. Erst als die Medien schon längst wieder verschwunden sind und der Berg aus Bedeutung an ein Museum verkauft wurde geht er zum Sägewerk, gezwungen von seiner Mitschülerin die endlich aus der Spirale bricht als die Jugendlichen sich alle verprügeln wegen des Berges.
Doch wie Pierre Anton reagiert möchte ich hier nicht verraten, da ich das Ende des Buches vorweg nehmen müsste….

 

Mein Fazit des Buches ist, dass es sicherlich kein Kinder- oder Jugendbuch ist. Im Gegenteil, das Buch ist nicht nur im positiven Sinne fesselnd, sondern auch sehr emotional und man beginnt selbst zu hinterfragen.
Der Sprachstil des Buches trägt seinen Teil dazu bei, da es aus der Ich-Perspektive einer der Schülerinnen geschrieben wurde. Einfach aber prägnant und ehrlich schreib die Autorin Teller wie sich aus dem Ganzen eine solche Dramatik entwickelte. In meiner Zusammenfassung wirkt es irreal und vielleicht etwas komisch, doch das Buch wirkt so realistisch und die Entwicklung geschieht langsam und stetig, sodass der Leser selbst irgendwie nachvollziehen kann, warum solche Grausamkeiten “notwendig” werden um die Bedeutung zu steigern. Zwar ist das Buch vom Seitenumfang recht kurz gehalten, der Inhalt jedoch ist sehr anspruchsvoll und nichts um “nebenbei zur Entspannung” zu lesen.
Das Cover ist bewusst schlicht gehalten in weiß, mit einer weißen Glanzprägung “NICHTS”, Autorin und vollständiger Titel sind in orange bzw. lila Schrift in einfachen Großbuchstaben gedruckt.

Insgesamt kann ich dieses Buch den Menschen  empfehlen, die ein Buch suchen, dass zum Nachdenken anregt und darüber hinaus zum Nachdenken zwingt. Was ungläubig wirkt beim ersten Überfliegen wird plötzlich nachvollziehbar und man wird von sich selbst überrascht sein.

Angstspiel

August 10th, 2011

Daten zum Buch:

Titel: Angstspiel
Autor: Johnathan Nasaw
Seitenzahl: 432
Erscheinungsjahr: 2004 (2006)

Inhalt:

“Angstspiel”… so nennt der psychopathische Mörder das ausgekügelte und langevoraus geplante Morden seiner Opfer. Begründung? Er tötet sie mit ihrer schlimmsten Angst.

Lange Zeit kann der Soziopath aus gutem Hause sein Treiben verheimlichen, doch Dorie Bell, ebenfalls eine Phobikerin, fällt auf, dass immermehr ihrer Freunde spurlos verschwinden. Sie versucht darauf aufmerksam zu machen, doch niemand schenkt ihr Glauben während der Mörder bereits sein nächstes Opfer entführt.

Einzig zwei FBI-Ermittler glauben ihr und reisen zu Dorie. Jedoch müssen sie gegen ihre eigenen Reihen antreten, da Pender eigentlich im Ruhestand ist und Linda an MS leidet.

Der Mörder wird auf Dorie aufmerksam und versucht mit allen Mitteln auch ihre Angst, die Angst vor Masken, zu nutzen um sie in den Wahnsinn zu treiben und schließlich ihrem Leben ein Ende zu setzen. Vorerst begnügt er sich mit seinem früheren besten Freund, der schon viele solcher Spiele erleben musste, aber immer am Leben blieb.
Hierdurch erfährt man auch die Gründe für dieses psychopathische Verhalten, dass dem Mörder Befriedigung verschafft. Diese sind in seiner Kindheit zu finden, als er durch eines seiner ersten “Spiele” seinen Großvater tötete und ein Trauma davontrug.

Der Stil des Buches ist sprachlich relativ verständlich gehalten, einzig die Fachbegriffe der Psychologie sind etwas problematisch, doch sie werden alle erklärt sodass sie keine Störung im Lesefluss bedeuten.

Leider muss ich dazusagen, das Nasaw zu früh durchsickern lässt, welcher Protagonist der Mörder ist, sodass ein wenig Spannung genommen wird. Zugute Halten muss man dem Autor jedoch ziemlich unerwartete Wendungen im Handlungsverlauf, z.B. die beginnende Romanze mitten im Geschehen oder die abrupten Gedankensprünge des Mörders als sich die Schlinge enger um seinen Hals zieht.

Inhaltlich werden immer mal wieder größere Zeitsprünge in die Kindheit unternommen, diese sind jedoch klar erkennbar und verwirren den Leser nicht. Auch innerhalb der Orte springt man immer wieder zwischen den Ermittlungen und den Angstspielen, die zum Teil auch aus der Sicht der Opfer geschildert werden.

Packend und spannend ist “Angstspiel” definitiv und ich würde davon abraten es jemandem zu geben, der schwache Nerven hat oder selbst an einer Phobie leidet.

Das Letzte Einhorn- The Last Unicorn

August 1st, 2011

Daten zum Buch:

Titel: Das letzte Einhorn
Autor: Peter S. Beagle
Seitenzahl: 271
Erscheinungsjahr: 1961 (2007)

Inhalt:

Das Buch “Das Letzte Einhorn” handelt von dem letzten freilebenden Einhorn und der Suche nach seinen verschwundenen Gefährten.

Seine Reise beginnt als es Jäger belauscht, die in seinem Walde jagen wollen und sich über Einhörner und darüber, dass sie von der Erde verschwunden sind, unterhalten… bis auf Dieses. Von Zweifeln geplagt bricht das Einhorn auf und trifft viele wunderliche Gestalten, die es als Weggefährten begleiten und nach und nach eine emotionale Verbindung mit dem Einhorn aufbauen.

Es trifft unter anderem auf Mammy Fortuna, eine alte, verbitterte Hexe, die die “Mitternachts Menagerie” leitet und angeblich mythische Wesen zur Schau stellt. Doch die Wahrheit ist, dass der Zauber nur funktioniert wenn die Betrachter glauben wollen, dass sie statt einer einfachen Schlange die Midgardschlange vor sich sehen. Dort gefangen trifft es Schmendrick, einen alten Zauberer, der es befreit und fortan begleitet.

Ziel des Einhorns ist es, den sagenumwobenen Stier des König Haggards zu finden, der alle Einhörner gefangen und vertrieben haben soll. Doch wohin es auch geht, niemand kann ihm etwas sicheres über den Stier erzählen und so macht es sich auf den Weg um König Haggard zu treffen und seine Gefährten zu finden und zu erretten.

 

Rezension:

Ich hatte mir von dem Buch “Das letzte Einhorn” sehr viel erhofft, da der Film einer jener Filme ist und war, die meine Kindheit begleiteten und ich auch heute noch desöfteren schaue. Was viele leider nicht wissen, ist das der Film auf eben dieses Buch zurück geht, beziehungsweise das Buch VOR dem Film entstanden ist und somit nicht das Buch zum Film ist.

Inhaltlich bietet das Buch weitaus mehr Charakterhintergründe, Tiefe und noch mehr Emotionalität als es der Film tut. Mit der Hauptgrund, weshalb das Buch eher für Erwachsene und Jugendliche, denn für Kinder geeignet ist. Einige Beispiele ohne zu viel verraten zu wollen ist vorallem die Geschite um das Dorf Hagsgate im Königreich von König Haggard, das im Film komplett gestrichen wurde. Auch über Schmendricks Herkunft erfährt man vieles, das im Film nie erwähnt wird und auch das Einhorn bzw. Lady Amalthea erlangen mehr Charaktertiefe.

Der Geschichte ist gut zu folgen und auch nach mehrtägigen Lesepausen weiß man noch genau was zuvor passierte. Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die teilweise meiner persönlichen Meinung nach zu lange Bögen spannen aber dennoch keinen geschlossenen Rahmen bieten.

Sprachlich merkt man dem Buch an, dass es ein wenig älter ist, da die Grammatik nicht verändert wurde. Hier einmal ein Beispiel: (Kapitel 1, Seite 17) “Es hatte keine Ähnlichkeit mit einem gehörnten Pferd, wie Einhörner gewöhnlich dargestellt werden; es war kleiner und hatte gespaltene Hufe und besaß jene ungezähmte, uralte Anmut, die sich bei Rehen nur in schüchternscheuer Nachahmung findet und bei Ziegen in tanzendem Possenspiel.”

Dies ist ein typisches Zitat für das Buch, indem man merkt, dass die Sätze relativ lang und verschachtelt sind. Auch der Wortklang mag zu Beginn etwas ungewohnt sein, doch wer den Film kennt hat damit keine Probleme, da die Dialoge relativ nahe am Buch gehalten sind.

Zum Teil ist das Buch mit einigen Gedichten verschmolzen, die inhaltlich in die Geschichte einfließen. Beispiele sind als Captain Cullys Gruppe um das Feuer sitzt und Schmendrick von ihren “Abenteuern” erzählen oder auch Prinz Lír, der Lady Amalthea ein Gedicht schenkt.

Auch wer gerne Anderen vorliest hat im “letzten Einhorn” ein gutes und detailiertes Buch gefunden, das man allerdings zuvor schon eingelesen haben sollte, da man sonst ein wenig über den Satzbau stolpert. Stimmung kann man auf jeden Fall damit aufbauen und die Figuren leicht durch lebhaftes Vorlesen personifizieren.

Fazit:

Ich empfehle das Buch für alle Leser, die sich gerne mit hintergründigen Büchern vefassen und entführen lassen in eine Welt, die der heutigen völlig fremd und doch manchmal überraschend ähnlich ist in ihrer Bevölkerung und den Ansichten der Menschen.

Allerdings sollte man bereit sein, sich an einen etwas eigenen aber gerade dennoch so passenden Erzählstil zu gewöhnen.